CoSTUME NATIONAL: Hey ho, let’s go! (Der Aufschrei der Rock-Indianer)

Ennio Capasa, mein Blutsbruder (natürlich nur im Geiste) – verleiht uns mit seiner Sommer-Kollektion 2016 stillen Stolz

Wer viel Seele hat, knüpft sein Hemd gern weiter auf. Weil er mutig ist und selbstbewusst und weil er weiß, dass der wahre Beat von Herzen kommt. Jim Morrison fällt mir ein, Jimi Hendrix und Joey Ramone (und noch ein paar von den Guten, die längst von uns gegangen sind).

Auf einmal sind sie wieder da – wie Geister, die um mich herum huschen, plötzlich hier, plötzlich dort, nicht greifbar, aber deutlich zu spüren. Costume National-Designer Ennio Capasa hat sie gerufen, diese Geister, und es erfüllt mich mit Entzücken, sie tanzen zu sehen.

 

Sie tanzen um junge, meist langhaarige Männer, die alles andere als zugeknöpft daher kommen, wenn sie denn überhaupt Hemden (u.a. in Blutrot) tragen – in vielen Fällen hat Capasa darauf verzichtet, was seinen scharf geschnittenen dreiteiligen Anzügen eine aufregende Eleganz gibt. Statt der Hemden tragen die Bleichgesichter im kommenden Sommer von indianischem Schmuck inspirierte lederne Halsbänder und eine von stillem Stolz geprägte Attitüde. Denn wir wissen, wir sind Chiefs und wenn wir „Hey ho“ rufen, zweifelt niemand daran, dass alle anderen einstimmen: „Let’s go!“