Lucio Vanotti: Die sanfte Rebellion eines Melancholikers

Lucio Vanotti am Ende seiner Show im Teatro Armani – er bleibt bescheiden, verneigt sich nur kurz Lucio Vanotti am Ende seiner Show im Teatro Armani – er bleibt bescheiden, verneigt sich nur kurz

Der Schützling des großen Giorgio Armani überzeugte im Teatro des Meisters mit einem erstaunlich stillen, einem fast meditativen Auftritt – plus 28 Looks aus der Show

Statt kräftiger Beats nur ein Ton, immer wieder, er erinnert an den Sound einer Klangschale. Die Models gehen auffällig langsam, nachdenklich fast. Es ist die bisher stillste Show bei der Milan Fashion Week, die Lucio Vanotti im Armani-Teatro während der sonst so aufgeregten, hektischen Tage zeigt. Zum elften Mal bereits hat der mittlerweile 81-jährige Giorgio Armani einem kreativen Talent die Tür zu seinem Haus geöffnet. Warum? „Weil mich ihr Enthusiasmus, ihr Engagement und ihre Kreativität begeistern“, sagt der Altmeister, „Lucio Vanotti wünsche ich eine großartige Zukunft.“ Der weiß natürlich, was sich gehört, nennt Giorgio Armani ein Vorbild, „das mich zutiefst beeinflusst hat“.

Tatsächlich führt er die klaren Linien seines Idols fort. Und das nicht nur in übertragenem Sinne, sondern höchst sichtbar. Horizontale Linien (in Streifen übersetzt) prägen viele seiner Stücke, prägen die Kollektion, die er als „New Order“ (neue Befehle) vorstellt. Lucio Vanotti, ausgebildet am Mailänder Istituto Maragoni, mag Uniformen, ihre Einfachheit, ihre Klarheit, die Vermeidung alles Überflüssigen, die Reduktion auf das Wesentliche. Gleichzeitig aber nimmt er ihnen die Härte, sozusagen den lauten Kasernenton.

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Am deutlichsten wird das bei bei seinen, lassen Sie es mich in Ermangelung eines besseren Begriffs „Sakkos“ nennen, denen er die Ärmel amputiert hat, oder seinen Stiefel, die martialisches Exerzieren unmöglich machen, weil ihre Sohlen aus weichem Slipper-Material bestehen. Er selbst sieht seine „Uniformen“ übrigens als sanfte Rebellion gegen knallige Angeberei. Und bleibt konsequent leise (und ebenso höflich): „Grazie Giorgio Armani“ leuchtet es sprechblasengleich über seinem Kopf als er sich nach der Show verabschiedet.