Dolce & Gabbana: Der unwiderstehliche Chic des Wilden Westens

Die Show von Dolce & Gabbana bei der Milan Fashion Week hat gehalten, was die pfiffige Einladung versprochen hat: Die Star-Designer geben Großstadt-Cowboys die Sporen – traut euch, Companeros!

Der Sand knirscht unter jedem Schritt, am Rand des Runways vereinzelt vertrocknete Grasbüschel; am Horizont, also am Ende der Mini-Wüste im Mailänder „Metropol“, Kakteen, mannshoch, kugelig, dazwischen digitaler Wildwuchs – Bildschirme, auf denen das grinsende, bärtige Gesicht Clint Eastwoods in Sergio Leones Western-Klassiker „Für eine Handvoll Dollar“ zu sehen ist.

Und dann hebt er an, der „Sicilian Western“ unter der Regie der beiden Star-Designer: Bärtige junge Männer hasten mit ernster Miene in Fell-Ponchos durch die Wüste, auf den Sakkos glitzern die beiden gekreuzten Colts, die wir schon von der pfiffigen Einladung kennen, üppige Stickereien zieren Hosen und Jacken und die weißen Nähte der schmal geschnittenen Anzüge erweisen sich als unübersehbare Referenzen an den Stil der Dons aus New Mexiko (einzig ein Bekenntnis zum Sombrero konnten sich Dolce & Gabbana nicht abringen).

Die Models filmen sich selbst und das Publikum mit iPads. Die Kurz-Videos werden auf vier große Screens übertragen – und plötzlich spielen wir alle mit, in dieser spektakulären Neuauflage italienischer Filmgeschichte. Als alle Models in Anzügen, die Clint Eastwood nicht einmal zum Schlafen getragen hätte (dafür braucht ihr Mut, Companeros), noch einmal über den Sand jagen, bleibt ein Staubwolke in der Halle hängen. Und wir hasten zu den Kakteen, um uns in der Kulisse einen Traum zu erfüllen – endlich einmal selbst Cowboy sein. Auch wenn wir Clint Eastwoods Look (und vor allem seinen Blick) beim besten Willen nicht hinkriegen.

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