Goldene Zeiten: Wien zeigt die MONA LISA der Buchkunst!

Das Evangeliar von Johannes von Troppau /// Bild: Wolfgang Wieser

In Gold geschrieben, fast 650 Jahre alt und von schlicht unsagbarem Wert – das Evangeliar des Johannes von Troppau ist ab heute (20. November) im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien zu sehen. Es gilt als die „Mona Lisa“ der Buchkunst

Lange war diese grandiose Prachthandschrift nicht mehr öffentlich zu sehen. Für die Ausstellung „Goldene Zeiten“ ist das Werk, das als Gründungskodex der kaiserlichen Hofbibliothek und damit auch der Nationalbibliothek gilt, für kurze Zeit aus einer geheimen Sicherheitskammer geholt worden. Bereits Mitte Dezember wird das Evangeliar aus konservatorischen Gründen durch ein Faksimile ersetzt.

Den Wert des Buches kann der Direktor der Sammlung von Handschriften und alten Drucken, Andreas Fingernagel, nicht beziffern: „Aus unserer Sicht ist das Evangeliar die ,Mona Lisa‘ der Buchkunst“, sagt der Experte. Von welchem unsagbaren Wert es ist, zeigt die Tatsache, dass Faksimile-Ausgaben aus den 1990er-Jahren aktuell um 20.000 Euro gehandelt werden.

Auftraggeber des Meisterwerkes war der bibliophile Herzog Albrecht III. (1349-1395). Geschrieben wurde es 1368 vom Brünner Kanoniker und Pfarrer von Landsern von Mähren, Johannes von Troppau. Als das Buch in den Besitz Friedrich III. (1415-1493) kam, setzte er auf die erste Seite die fünf Vokale A.E.I.O.U. und die Jahrzahl 1444. Zwei Jahre später ließ er für das Buch einen Prachteinband mit vergoldetem Silberbeschlag über rotem Samt herstellen.

Das Evangeliar besteht aus 189 Blättern, ist 375 x 256 mm groß, verfügt über 5 große Bildseiten, 4 Zierseiten mit Initialen und 85 Bildinitialen. Es kann in der Ausstellung in digitalisierter Form durchgeblättert werden. Interessantes Detail: Die fünf Löwenköpfe auf dem Einband sind ist offenbar von einem Türzieher, wie er in Kirchen verwendet wurde, inspiriert, Löcher bei den Lefzen weisen darauf hin. Direktor Fingernagel: „Damit soll symbolisiert werden, dass der Leser in etwas ähnlich Heiliges wie eine Kirche eintritt.“

„Goldene Zeiten“ zeigt insgesamt 80 einzigartige Exponate aus 200 Jahren Buchkultur. Keines der Bücher ist weniger als eine Million Euro wert – zu sehen ist also eine 100-Millionen-Euro-Schau. Bis 21. Februar 2016